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Wie der Flecktarn in die Bundeswehr kam

Aktualisiert: März 8

Militärische Bekleidung deutscher Truppen in der Zeit vom ersten Weltkrieg bis heute

Nachdem bereits im 14. Jahrhundert Heerscharen einheitlich gekleidet wurden, wurde auch in den darauffolgenden Jahrhunderten nationenübergreifend daran festgehalten, die Staatsmacht durch Uniformen zu repräsentieren und eine optische Einheit darzustellen. #werbung #flecktarn #bundeswehr

​Tarnmuster der kaiserlichen Armee, Reichswehr, Wehrmacht und der Waffen-SS

Bereits die kaiserliche Armee bediente sich in der Zeit des Ersten Weltkrieges verschiedener Tarnmuster. Farben und Formen wurden dabei so angeordnet, dass sie geeignet waren, eine optische Lokalisierung von Soldaten und deren militärischer Ausrüstung zu erschweren. Das war eine Abkehr der bis dahin vertretene Ansicht, Tarnung wäre nicht tugendhaft und sei ein feiger Zug.

Bevor Tarnmuster Einzug in die Reihen der Heere fanden, setzte man deshalb auf grelle Farben. Der Grund lag darin, dass man sich noch auf kurze Distanzen bekämpfte und so auf dem Schlachtfeld besser erkennen konnte, wer Freund und wer Feind war. Gerade unter dem Einsatz von Schwarzpulverwaffen wurden die Soldaten häufig von dichtem Pulvernebel umhüllt, was eine optische Unterstreichung der Zugehörigkeiten erforderte.

Als sich die Soldaten zunehmend aus immer größer werdender Entfernung bekriegten, weil durch den technischen Fortschritt Distanzwaffen wie das Maschinengewehr erfunden wurden, wurde Tarnkleidung existentiell. Bereits zu Zeiten des Ersten Weltkriegs trennte man sich nach und nach von bunter Einsatzkleidung. Die grellbunte Einsatzmontur und die Farbe des Großgerätes konnten aber nicht sofort in Gänze ersetzt werden. Man versuchte übergangsweise Fahrzeuge und Truppen mit Blattwerk aus dem Wald zu schützen oder bewegte sich hauptsächlich nachts. Dennoch blieb es nicht aus, dass aufgrund der auffälligen Farbgestaltung hohe Verluste zu beklagen waren.

Während ab Juli 1918 vorrangig militärische Großgeräte und Ausrüstungsgegenstände mit einem Buntfarbenanstrich (scharfkantige Flecken in Rost, Ocker, Grün, Schwarz) getarnt wurden, sollten bald auch die Uniformen generalüberholt werden. Der langwierige Prozess von Kleidung in auffallenden Signalfarben hin zu vorteilhafter Tarnbekleidung geriet aufgrund finanzieller Not oder Materialmangels immer wieder ins Stocken.

Die ursprüngliche Tarnkleidung bewegte sich in einheitlichem Grau, später in Olivgrün (Farbton RAL 6014, auch: NATO-Oliv).

Mittlerweile richtet sich die Farbgestaltung der Kampfmontur nach dem Einsatzort und ist mehrfarbig.

Schon die Reichswehr verwendete im Jahr 1931 Splittertarn, 1938 wurden die ersten Einheiten der Waffen-SS mit Tarnkleidung in diversen Ausführungen (Blocktarn, Platanenmuster, Rauchtarnmuster, Palmenmuster, beringtes Eichenlaubmuster, Eichenlaubmuster, Erbsenmuster, Telo Mimetico, Leibermuster) ausgestattet.

Entwicklung der Tarndrucke in der Nachkriegszeit

Nachdem 1955 die Bundeswehr gegründet worden war und die Verträge der Europäischen Verteidigungsgemeinschaft (EVG) nicht zustande kamen, welche eine einheitliche Uniform der sechs Beteiligungsländer vorgesehen hatten, musste Deutschland (gemäß § 4 des Soldatengesetzes ist dafür der Bundespräsident zuständig) notdürftig innerhalb einer kurzen Zeitspanne eine eigene nationale Uniform entwickeln. Man griff vorerst auf bereits erprobte Tarnkleidung zurück. So wurde kurzzeitig eine Variante des Leibermusters getragen. Da dieses jedoch mit der Waffen-SS in Zusammenhang gebracht wurde, (es wurden Ähnlichkeiten mit dem Erbsenmuster erkannt) erhöhten linkspolitische Bewegungen der Nachkriegszeit mit dem Ziel, sich von der Vergangenheit zu lösen, den Druck dahingehend, dass man sich in den Jahren von 1956 bis um 1970 für alternative Tarnkleidung (Splittertarn M56, anschließend in den 1960er Jahren einfarbig in Gelboliv) entschied.

In den 1970er Jahren kam es zu einer Entwicklungsphase neuer Tarnmotive (Flecktarn A, Flecktarn B und Felcktarn C). Mit Flecktarn B (groß) erzielte man beim Truppenversuch 76 die besten Ergebnisse. Linkspolitische Widerstandsbewegungen und finanzielle Engpässe erlaubten eine Uniformierung in dieser Farbgebung jedoch nicht vor den 1990er Jahren.

Nach einer weiteren Testphase in den Jahren von 1987 bis 1990 führte die Bundeswehr am 20. Februar 1991 das fünffarbige Tarnmotiv Flecktarn B (5-Farb-FT) ein. Das Flecktarn-Muster in den Farben Schwarz und Braun und drei Grüntönen in unterschiedlichen Nuancen wurde auf Grundlage des Farbspektrums des europäischen Mischwaldes in einer Landkartenkomposition entwickelt. Die farblichen Flächen sind unterschiedlich groß und befinden sich im Druck nebeneinander oder mehrschichtig übereinander. Ältere Variationen sind dabei mit einem Rotbraun ausgestattet, neuere mit einem Tiefbraun.

Flecktarn hat sich in der Vergangenheit im Vergleich mit den NATO-Partnern in seiner Tarnwirkung im bewaldeten Gelände bewährt. Auch im Nahinfrarotbereich schneidet Flecktarn B (groß) durch faser- und farbstoffchemische Reaktionen besonders gut ab und kam immer wieder in entscheidenden Einsätzen zum Tragen.

Nunmehr wird Flecktarn nicht nur von Streitkräften der Bundesrepublik Deutschland genutzt, sondern ist international im Einsatz.

Durch den erweiterten Aktionsradios der Streitkräfte musste das 5-Farb-Flecktarn auf tropische Einsatzgebiete angepasst werden. Die Umsetzung erfolgte mit dem Tropentarnmotiv. Tropentarn (auch: 3-Farb-Flecktarn oder 3-Farb-FT) ist ein Anfang der 90er Jahre entwickeltes und von der Bundeswehr im Heer und in der Luftwaffe verwendetes Tarnmotiv für vegetationsarme Gefilde. Das Muster entspricht dem Flecktarndruck. Unterschiede finden sich nur in der Farbgebung. Die helle Farbmischung in einem primär sandfarbenen Ton mit kleinen, runden olivgrünen und ockerfarbenen Flecken, lässt die menschliche Silhouette auf sandigem Untergrund und in Steppen- oder Wüstengebieten mit ihrem Umfeld verschmelzen.

Ausblick

Flecktarn B ist für den deutschen Mischwald entwickelt worden und deshalb im bewaldeten Gelände optimal. Für andere Einsatzorte ist das Flecktarn-Muster jedoch nicht in gleichem Maße geeignet. Deshalb entwickelt das Wehrwissenschaftliche Institut für Werk- und Betriebsstoffe dem amerikanischen Tarnmuster Multicam folgend, seit nunmehr fast drei Jahren primär zwei neue Uniformen (Multitarnanzüge für Regionen mit weniger Waldwuchs und einen neuen Winterflecktarnanzug), die deutsche Soldaten in anderen Einsatzländern einen besseren Schutz bieten.

Der Schneetarnanzug basiert auf einem weißen Flecktarn-Muster.

Das sechsfarbige Multitarnmuster in Braun, diversen Grünabstufungen, Grau und Beige kombiniert dabei die Vorteile des Flecktarn B und Tropentarn in einem Anzug. Die sandfarbenen Farbtöne des Tropentarn sind im Verhältnis zu den anderen Farbtönen erhöht worden. Die Uniform eignet sich damit für eine große Spanne geografischer Beschaffenheiten. Ein Mischen von einzelnen Uniformteilen und Ausrüstungsgegenständen, wie es bislang notwendig war um optimal geschützt zu sein, bleibt dem Soldaten künftig erspart. Die Tarnung passt sich dem Geländehintergrund und durchschnittlichen Lichtverhältnissen an, ist robust und kann Wärmeabstrahlung absorbieren. So bietet der neue Mulitarnanzug auch Schutz beim Umgang mit Nachtsichtgeräten und Restlichtverstärkern. Die Tarnwirkung bleibt im Infrarotbereich erhalten. Eine wirksame Täuschung von Wärmebildkameras ist jedoch nach wie vor nicht möglich. Zu komplex ist das Zusammenspiel von Luftfeuchtigkeit, schwankenden Körper- und Umgebungstemperaturen und der UV-Bestrahlung.

Bis die neuen Uniformen flächendeckend ausgegeben werden, kann es jedoch noch eine Weile dauern. Wie bei der Einführung der Flecktarnuniform in den 90er Jahren werden vorrangig die Spezialeinheiten ausgestattet, später die Unterstützertruppen. Bislang gibt es die Multitarnanzüge nur in geringen Stückzahlen, die Beschaffungsplanung ist noch nicht abgeschlossen.

Der neue Tarnanzug in Multitarn wurde mit einem Designschutz versehen. Ausrüstungsteile in diesem Stil werden nicht frei verkäuflich sein. Bislang war es immer wieder vorgekommen, dass sich unterschiedliche Einheiten in Flecktarn kleideten und eine Zuordnung nicht mehr möglich war. Auch im zivilen oder sportiven Bereich, z.B. bei Airsoft und Paintball, hatte sich der sogenannte Militarylook zunehmender Beliebtheit erfreut. Diese Abgrenzungsprobleme werden künftig nicht mehr auftreten.

Da es noch kein Nachfolgemodell gibt, was in bewaldeten Gebieten genauso effektiv wie der Tarnanzug im Flecktarndruck ist, ist davon auszugehen, dass es den Bundeswehrsoldaten noch lange kleiden wird.


Ausrüstung in Flecktarn gibt es z.B. hier:

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